Gesunde Zähne ab 65: Welche Rolle spielen Vitamine und Mineralstoffe?

Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur unser Körper – auch Zähne, Zahnfleisch, Knochen und Mundschleimhaut haben andere Voraussetzungen als mit 30. Gleichzeitig können bestimmte Mikronährstoffe wie Vitamin D, Vitamin B12 und Calcium im höheren Lebensalter kritischer werden. Was bedeutet das für unsere Mundgesundheit?

Weniger Kalorien – aber nicht weniger Nährstoffe

Älterwerden hat heute erfreulicherweise eine ganz andere Bedeutung als noch vor einigen Jahrzehnten.

Viele Menschen sind mit 65, 70 oder 80 Jahren aktiv, treiben Sport, reisen und stehen mitten im Leben. Und dank moderner Zahnmedizin behalten immer mehr Menschen ihre eigenen Zähne bis ins hohe Alter.

Das stellt die Zahnmedizin aber auch vor neue Aufgaben.

Denn unser Körper verändert sich. Der Energiebedarf nimmt häufig ab, gleichzeitig bleibt der Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen bestehen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bringt dieses Problem gut auf den Punkt: Ältere Menschen benötigen zwar häufig weniger Energie, aber weiterhin genauso viele Vitamine und Mineralstoffe wie jüngere Erwachsene. Lebensmittel sollten deshalb eine entsprechend hohe Nährstoffdichte haben.

Für die Generation 65+ lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die Ernährung – auch aus zahnmedizinischer Sicht.

Welche Nährstoffe werden im Alter besonders interessant?

Die DGE hebt für ältere Menschen insbesondere Vitamin D, Calcium und Vitamin B12 hervor. Daneben können je nach Ernährung, Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme beispielsweise auch Eisen, Jod, Zink oder Selen relevant werden.

Eine deutsche Bevölkerungsstudie macht deutlich, dass dies keineswegs nur ein theoretisches Thema ist.

In der KORA-Age-Studie wurden mehr als 1.000 Menschen zwischen 65 und 93 Jahren untersucht. Bei 52 Prozent fanden die Forschenden niedrige Vitamin-D-Werte, bei 27,3 Prozent niedrige Vitamin-B12-Werte. Niedrige Eisen- und Folatwerte waren deutlich seltener, kamen aber ebenfalls vor.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch über 65 Nahrungsergänzungsmittel benötigt.

Es zeigt vielmehr: Mit zunehmendem Alter kann es sinnvoll sein, die individuelle Versorgung im Blick zu behalten.

Vitamin D: Interessant für Knochen – und möglicherweise auch fürs Zahnfleisch

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein.

Unser Körper kann es mithilfe von Sonnenlicht selbst bilden. Vitamin D reguliert unter anderem den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und ist damit wesentlich an der Erhaltung stabiler Knochen beteiligt. Außerdem spielt es eine Rolle für Muskelfunktion und Immunsystem.

Das ist auch für die Zahnmedizin interessant.

Unsere Zähne stehen schließlich nicht einfach im Zahnfleisch. Sie werden vom Kieferknochen und Zahnhalteapparat getragen.

Darüber hinaus untersucht die Wissenschaft seit Jahren mögliche Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Versorgung und Parodontitis.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse fand bei Menschen mit Parodontitis im Durchschnitt niedrigere Vitamin-D-Werte als bei gesunden Vergleichspersonen. Andere Untersuchungen liefern allerdings teilweise unterschiedliche Ergebnisse. Die wissenschaftliche Lage ist deshalb komplexer als die Aussage „Vitamin D verhindert Parodontitis“.

Eine neuere systematische Übersichtsarbeit aus 2025 fand ebenfalls Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Mangel und verschiedenen Erkrankungen der Mundhöhle, darunter Parodontitis und Zahnfleischentzündungen. Auch hier gilt jedoch: Zusammenhang bedeutet nicht automatisch Ursache und Wirkung.

Informationen der DGE zu Vitamin D

Calcium: Nicht nur für starke Knochen

Eng mit Vitamin D verbunden ist Calcium.

Calcium ist ein wesentlicher Bestandteil von Knochen und Zähnen. Die DGE nennt für ältere Menschen eine ausreichende Calciumversorgung ausdrücklich als wichtigen Bestandteil der Knochengesundheit und empfiehlt für Erwachsene eine Zufuhr von 1.000 Milligramm pro Tag.

Gute Quellen können beispielsweise sein:

  • Milch und Milchprodukte,
  • calciumreiches Mineralwasser,
  • Brokkoli und anderes calciumreiches Gemüse,
  • bestimmte Nüsse und Samen.

Auch der Zusammenhang zwischen Calcium und Parodontitis wird wissenschaftlich untersucht. Eine populationsbasierte Studie fand beispielsweise bei Frauen einen Zusammenhang zwischen höherer Calciumzufuhr über die Ernährung und einem geringeren Parodontitisrisiko. Das ist interessant, reicht aber nicht aus, um daraus eine allgemeine therapeutische Empfehlung abzuleiten.

Vitamin B12: Im Alter besonders im Blick behalten

Ein weiterer Kandidat ist Vitamin B12.

Es ist unter anderem wichtig für Zellteilung, Blutbildung und Nervensystem. Die DGE weist darauf hin, dass gerade im höheren Lebensalter die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigt sein kann. Ursachen können beispielsweise Veränderungen des Magen-Darm-Trakts oder bestimmte Medikamente sein.

Bei einer veganen Ernährung ist eine Supplementierung von Vitamin B12 grundsätzlich erforderlich, weil relevante Mengen für eine ausreichende Versorgung praktisch nur über tierische Lebensmittel verfügbar sind.

Informationen der DGE zu Vitamin B12

Und was ist mit Vitamin C, B-Vitaminen, Magnesium oder Zink?

Hier wird es wissenschaftlich interessant – und gleichzeitig kompliziert.

Eine Untersuchung mit Daten von knapp 9.500 Menschen fand beispielsweise, dass eine Ernährung mit vielen Mikronährstoffen und Ballaststoffen mit einem niedrigeren Risiko für selbstberichtete Parodontalerkrankungen verbunden war. Unter anderem wurden Vitamin B6, B12, C und E, Folat, Magnesium und weitere Nährstoffe untersucht.

Eine neuere systematische Übersichtsarbeit zu B-Vitaminen fand ebenfalls verschiedene Zusammenhänge zwischen bestimmten B-Vitaminen beziehungsweise Folat und Parodontitis.

Aber genau hier ist Vorsicht angebracht.

Solche Studien beweisen nicht, dass eine Vitaminpille Parodontitis verhindert.

Eine mikronährstoffreiche Ernährung ist häufig gleichzeitig reich an Gemüse, Vollkornprodukten und Ballaststoffen und Teil eines insgesamt gesundheitsbewussteren Lebensstils. Die einzelnen Faktoren wissenschaftlich sauber voneinander zu trennen, ist schwierig.

Deshalb ist der vernünftigere Ansatz nicht:

„Welches Nahrungsergänzungsmittel brauche ich?“

Sondern zunächst:

„Wie ausgewogen ist meine Ernährung – und gibt es bei mir überhaupt Hinweise auf einen Mangel?“

Warum Ernährung und Zahngesundheit im Alter besonders eng zusammenhängen

Es gibt noch einen weiteren Zusammenhang, der häufig übersehen wird:

Gesunde Ernährung braucht funktionierende Zähne – und gesunde Zähne profitieren von guter Ernährung.

Fehlen mehrere Zähne, sitzt Zahnersatz nicht richtig oder verursacht das Kauen Schmerzen, verändert sich häufig auch die Lebensmittelauswahl.

Knackiges Gemüse, Nüsse, Vollkornbrot oder festeres Obst werden möglicherweise gemieden. Stattdessen kommen weichere und einfacher zu kauende Lebensmittel auf den Speiseplan.

Damit kann ein Kreislauf entstehen:

Probleme beim Kauen → eingeschränkte Lebensmittelauswahl → ungünstigere Nährstoffversorgung.

Gerade im höheren Lebensalter gehört deshalb die Erhaltung der Kaufunktion für uns zu einer guten zahnmedizinischen Versorgung.

Auch Mundtrockenheit kann zum Problem werden

Mit zunehmendem Alter nehmen viele Menschen regelmäßig Medikamente ein.

Einige Arzneimittel können als Nebenwirkung die Speichelproduktion reduzieren.

Das ist für die Mundgesundheit relevant, denn Speichel ist ein wichtiger natürlicher Schutzmechanismus. Er hilft unter anderem dabei, Säuren zu neutralisieren, Nahrungsreste abzutransportieren und die Remineralisation der Zähne zu unterstützen.

Bei ausgeprägter Mundtrockenheit können deshalb unter anderem das Risiko für Karies – insbesondere Wurzelkaries – und Beschwerden der Mundschleimhaut steigen.

Auch solche Veränderungen sollten bei einer individuellen Prophylaxe berücksichtigt werden.

Braucht man ab 65 automatisch Nahrungsergänzungsmittel?

Nein.

Das ist uns bei diesem Thema besonders wichtig.

Ein höheres Lebensalter ist kein Grund, auf Verdacht verschiedene Vitamine und Mineralstoffe einzunehmen.

Die DGE empfiehlt grundsätzlich eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Obst und Nüssen sowie geeigneten Proteinquellen und ausreichend zuckerfreier Flüssigkeit. Eine Supplementierung sollte gezielt erfolgen und mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

Bei bestimmten Risikokonstellationen kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein.

Denn auch bei Vitaminen gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.

Was bedeutet das für die Zahnmedizin?

Für uns bei Parcside Dental in Nürnberg am Stadtpark ist die Generation 65+ deshalb keineswegs einfach eine Patientengruppe mit „älteren Zähnen“.

Vielmehr treffen hier viele individuelle Faktoren zusammen:

Zahnfleisch + Knochen + Ernährung + Medikamente + Speichel + Allgemeinerkrankungen + Mundhygiene.

Genau deshalb wird eine individuell abgestimmte Vorsorge mit zunehmendem Alter wichtiger.

Regelmäßige Untersuchungen können helfen, Veränderungen früh zu erkennen – beispielsweise:

  • beginnende Parodontitis,
  • Zahnfleischrückgang,
  • freiliegende Zahnhälse,
  • Wurzelkaries,
  • Mundtrockenheit,
  • Probleme mit Zahnersatz oder Implantaten.

Mehr zur Prophylaxe bei Parcside Dental

FAQ – Mikronährstoffe und Mundgesundheit ab 65

Brauche ich ab 65 automatisch Vitamin D?

Nicht automatisch. Vitamin D gehört allerdings zu den Nährstoffen, deren Versorgung im höheren Lebensalter kritisch sein kann. Die individuelle Situation sollte ärztlich beurteilt werden.

Kann Vitamin D vor Parodontitis schützen?

Studien zeigen Zusammenhänge zwischen niedrigen Vitamin-D-Werten und Parodontitis. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Vitamin-D-Präparate eine Parodontitis verhindern oder eine zahnmedizinische Behandlung ersetzen.

Welche Mikronährstoffe sind im Alter besonders wichtig?

Die DGE weist insbesondere auf Vitamin D, Calcium und Vitamin B12 hin. Je nach individueller Situation können auch andere Nährstoffe relevant werden.

Sollte ich meine Vitaminwerte regelmäßig testen lassen?

Das lässt sich nicht pauschal für alle Menschen beantworten. Bei bestimmten Erkrankungen, Ernährungsformen, Medikamenten oder Beschwerden kann eine gezielte Labordiagnostik sinnvoll sein. Das sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Können Nahrungsergänzungsmittel meine Zähne schützen?

Sie ersetzen weder eine ausgewogene Ernährung noch Zähneputzen, Zahnzwischenraumpflege oder professionelle Vorsorge. Bei einem tatsächlich vorhandenen Mangel kann eine gezielte Supplementierung medizinisch sinnvoll sein – aber eben gezielt.

Warum wird Wurzelkaries im Alter häufiger?

Wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht, liegen Teile der Zahnwurzel frei. Diese Bereiche sind weniger widerstandsfähig gegen Säureangriffe als Zahnschmelz. Mundtrockenheit und erschwerte Mundhygiene können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Fazit: Gesund älter werden beginnt auch im Mund

Die Generation 65+ ist heute aktiver und behält ihre eigenen Zähne länger als frühere Generationen. Das ist eine großartige Entwicklung – stellt aber neue Anforderungen an Prävention und Zahnmedizin.

Vitamin D, Calcium und Vitamin B12 gehören zu den Nährstoffen, die im höheren Lebensalter besondere Aufmerksamkeit verdienen. Gleichzeitig zeigt die Forschung interessante Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikronährstoffen und Mundgesundheit.

Dabei sollten wir eines nicht aus den Augen verlieren:

Es gibt keine Vitaminpille für gesunde Zähne.

Eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung, gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Vorsorge bleiben die entscheidenden Grundlagen.

Bei Parcside Dental am Stadtpark in Nürnberg betrachten wir deshalb auch im höheren Lebensalter nicht nur den einzelnen Zahn. Medikamente, Mundtrockenheit, Zahnfleisch, Kieferknochen, Zahnersatz und individuelle Risikofaktoren gehören für uns zu einer modernen, langfristig ausgerichteten Betreuung.

Denn das Ziel ist heute nicht mehr, im Alter möglichst guten Zahnersatz zu haben.

Das schönere Ziel ist, möglichst lange mit den eigenen, gesunden Zähnen durchs Leben zu gehen.

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Die Forschung zu diesem Thema entwickelt sich weiter. Besonders interessant sind die deutschen KORA-Age-Daten zu Mikronährstoffdefiziten bei Menschen ab 65 sowie eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu Vitamin D und Mundgesundheit.

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